Fotografie ist

Lohensteins Sicht

Gipuzkoa, Donostia, Futbol Zelaia  

Nikon CMOS, 24x36.

Bosheit und Falschheit in liebevoller Bande  

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Der Albtraum des Abbildens: die Formen unsehbar, die Bezüge zu den Dingen ausgesetzt. Der Apparat, die Schärfe, Tonwertzuordnung, Perspektive, Körperlichkeit: alles das unwirksam. Weil keine Formen mehr zu sehen sind, an denen das geschehen soll.

Licht, das bestrahlt, erzeugt auch Schatten. Reines Licht entbirgt auch die dunkle Seite der Welt.

Wo Licht, ist Schatten - gleich am ersten Schöpfungstag zeigt sich an der Materie die Infragestellung. Schöpfung ist in dieser Auffassung nicht einfach nur "gut", sondern auch "schlecht", für manche sogar "böse", z.B. für die Katharer, die auf dieser Burg im 13. Jahrhundert lebten.

Zum Schlagschatten sprach auch Platon. Wir meinen, meinte er, die wahre Form der Dinge zu erkennen. Aber es handele sich um Abbilder des Realen, das wir gar nicht wirklich erkennen können, in unserer Höhle. Weil wir nämlich dumm und naiv sind, halten wir sie für die Wirklichkeit. Wie boshaft ist doch diese Täuschung.

Platons Fehler war, die Abbilder überhaupt erst für solche eines Urbildes zu halten, den Schlagschatten verursacht vom verursachenden Körper im Licht. Was, wenn der Schlagschatten von einem anderen Körper käme?

Trotzdem tritt der Schatten aus der Unschärfe des Raumes heraus, entwickelt seine eigene Wirklichkeit. Irgendwie falsch, das alles.

Hommage an Caspar

Nikon CMOS, 24x36.

Caspar ist ein Biber. Er heisst mit Nachnamen David Friedrich und wohnt bei Heitenried an der Sense. Sein Freund Heinrich von Kleist besucht ihn ab und zu und bestaunt sein Werk. Bexte, Regulus →

Viel wichtiger

Nikon CMOS, 24x36.

Der Vogel darf sich auch mal wichtig machen! Der Proviant ist gefressen, der Schutt entsorgt. Frei ziehen wir umher. Von oben diese Übersicht. Freie Sicht zur See!

Gefrorenes Laub

Nikon CMOS, 24x36.

Schweiz, Bern, Sense

Nikon CMOS, 24x36.

Zeichnen mit Licht

Nikon CMOS, 24x36.

Großformat-Zen

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Winter. Jahreswechsel. Meine Dunkelkammer zieht um. Eine Gelegenheit, das eigene Tun mal wieder etwas grundsätzlicher zu reflektieren.

Das Fokussieren auf einer 4x5- oder 5x7-Mattscheibe erfordert viel Geduld und Präzision. Durch die Vergrößerung des Bildes auf der Mattscheibe ist der Fokussierungsprozess sehr direkt und klar, und die Proportionen und das Volumen der Bildgegenstände stehen klar vor Augen, was mir als Lichtbildner Bildkontrolle verschafft. Dass das Bild über Kopf steht, vermittelt mir Bildaufteilung, Komposition, Rhythmus und Bewegungslinien in abstrakterer Weise. Dadurch lassen sich diese Aspekte besser auf ihren Gestaltungswert befragen.

Der ganze Prozess – vom Aufbauen der Kamera über das Einstellen der Belichtung bis hin zur Entwicklung des Films – ist langsam, was das Kreative betont. Das Arbeiten in Zeitlupe führt zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Bildinhalt, was oft zu Ergebnissen führt, die sich von der Schnelllebigkeit der digitalen Fotografie abheben.

Die Mattscheibenbetrachtung: das ist der Moment, in dem du nicht nur das Bild siehst, sondern es mit der Prävisualisierung in deinem Kopf vergleichst. Die Mattscheibe bietet dabei ein bewusstes, kontemplatives Feedback, das in der digitalen Fotografie oft verloren geht, da man zu schnell durch die Aufnahmen navigiert.

Durch die größere Fläche des Films und die Optik ist die Schärfentiefe im Großformat stark reduziert. Die Kontrolle über die Schärfenebene und die gezielte Gestaltung von Vorder- und Hintergrund ermöglichen einzigartige künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten. Insbesondere einen hohen Detailreichtum und ein Spiel mit Verstellungen.

Die Anwendung von Ansel Adams' Zonensystem auf einen Großformatfilm kann helfen, Tonwerte präzise zu steuern, was die Kontrolle über die Belichtung und das Nachbearbeiten des Bildes ermöglicht. Jedes Blatt Film kann einzeln entwickelt werden. Doch in der Praxis gruppiere ich meistens Filmblätter mit gleichem Kontrastumfang und entwickele die dann gesammelt. So wird jedes Filmblatt optimal entwickelt. Das Resultat sind Negative gleichbleibend hoher Qualität, die sich unter standardisierten Bedingungen vergrößern lassen, was zielgerichtete Feinsteuerungen durch Abwedeln, Nachbelichten, Splitgrade ermöglicht.

Großformat bietet eine Rückkehr zu alten, historischen Arbeitsweisen, was für manche Fotografen eine Verbindung zu den Wurzeln der Fotografie darstellt. Die Kombination aus Analogverfahren und modernen Entwicklungen ist eine Art Brücke zwischen Tradition und Innovation. Zwar arbeite ich nicht mit Kollodiumnassplatten, doch geht der Zonensystem-Ansatz auf die alte Fotografenregel zurück, auf die Schatten zu belichten und auf die Lichter zu entwickeln. - In der Digitalfotografie wird knapp und auf die Lichter belichtet, damit die nicht ausschießen. Den Rest erledigen automatische RAW-Entwickler und Bildbearbeitungsprogramme.

Es geht bei der Großformatfotografie nicht nur um das Endprodukt, sondern um den gesamten Arbeitsprozess, der von vielen als Kunstform betrachtet wird.

FP4+ in HC110H, 7'00'', N, 4x5.

Großformatfotografie hat etwas Meditatives, zweifellos. Im Zen geht es darum, im Moment zu sein, das bewusste Erleben des Jetzt ohne Ablenkungen oder übermäßige Gedanken. Es geht darum, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, ohne die eigenen Vorstellungen, Urteile oder Erwartungen dazwischen zu schieben. - Man kann das auch mit der Digitalkamera bewerkstelligen, keine Frage. Aber nahezu perfekt lässt sich dieser Ansatz auf das Fotografieren mit einer Großformatkamera übertragen, da die Großformatkamera genau diesen Moment der vollständigen Präsenz verlangt. Die ganze vorzubereitende Expedition zur Aufnahme eines Bildes ist ausgerichtet auf das Hier-Jetzt-Ich der Aufnahmesituation, mit dem Objektiv im Raum als Ursprung der Perspektive auf das Motiv.

Das langsame, sorgfältige Arbeiten mit der stativgebundenen Kamera und das bewusste Setzen jeder einzelnen Bildmanipulation — vom Fokussieren über die Bildkomposition bis hin zur Belichtung und Entwicklung — führt zu einer Reduktion des Nachdenkens über sich und die Welt, und zu einer Konzentration auf das Objekt, auf die Szene, die vor einem liegt. Diese Konzentration auf das Wesentliche im gegenwärtigen Moment bringt den Fotografen in eine Art Flow-Zustand, in dem das Objekt, die Kamera und der Fotograf eins werden. Körperliche Anstrengung - man führt etwa 8-12 Kilogramm an Ausrüstung mit sich - und der sich beruhigende Puls beim Kameraufbau verstärken das Flow-Erleben.

Der Fotograf tritt in den Hintergrund, und der Moment des Erlebens wird zu einem klaren, fokussierten Akt der Wahrnehmung. Es ist, als ob die Kamera nicht nur ein Werkzeug zur Aufzeichnung ist, sondern eine Erweiterung des eigenen Körpers und Geistes wird. Jeder Verstellknopf einer Linhof Technika 4x5 hat eine andere Form, damit der Fotograf hinter der Kamera diesen bedienen kann, ohne nachzudenken. In dieser Haltung wird das objektbezogene Denken – das intensive Wahrnehmen der Details, der Lichtverhältnisse, der Formen und der Texturen – zur praktischen Anwendung des Zen im Fotografischen.

Zen lehrt auch die Achtsamkeit, und im Kontext der Fotografie bedeutet das, jede Entscheidung (ob es das Einstellen des Fokus oder das Betrachten durch die Mattscheibe ist) mit konsequenter Rückkopplung auf die eigenen Bedürfnisse zu treffen. Es werden nur wenige Planfilmkassetten mitgeführt, drei bis sechs insgesamt. Es gibt keinen „Automatismus“ oder Schnellschüsse, sondern einen aktiven, bewussten Dialog mit dem Bild. Der Fotograf ist nicht einfach nur ein technischer Operator, sondern ein Teilnehmer, der in den Prozess und die Materie des Bildes eintaucht. Ohne Backup.

Dieses Fotografieren erinnert an das Konzept des Wu Wei im Taoismus – das Handeln durch Nicht-Handeln, bei dem alles ganz mühelos und doch mit höchster Präzision und Intuition geschieht. Beim Fotografieren im Großformat wird dieser Zustand oft erreicht, durch geduldiges Üben, und indem der Prozess so langsam und präzise ist, dass man einfach nur im Tun ist, ohne sich gedanklich zu verirren.

FP4+ in HC110H, 7'00'', N, 4x5.

Man steuert den Szenenkontrast per Belichtung und Entwicklung, anstatt Filter und Gerätschaften wie z.B. Aufhellblitze mitzuführen, die die Lichtsituation verkomplizieren und den visualisierten Lichteindruck stören. In der Dunkelkammer übt man sich mit partieller Kontraststeuerung durch Splitgrade, das auf gleichbleibend qualitätvollen Negativen nach dem Zonensystem aufbauen kann. Man werkelt nicht mit abgelaufenen Filmen herum. Man verzettelt sich nicht mit vermurksten Negativen unterschiedlicher Dichte oder Kontrastumfängen, oder doktert mit Laborbelichtungsmessern, die die Intuition und das solide Arbeiten mit Probestreifen stören. Aus diesem Grund bevorzuge ich für richtig große Negative ab 13x18 die Schalenentwicklung gegenüber automatisierten Entwicklungsmaschinen.

Das Dunkeltuch ist ein faszinierendes Element im gesamten Großformatprozess, und es verstärkt den meditativen Charakter des Fotografierens noch einmal enorm. Es ist fast wie eine physische Barriere, die uns Fotografen von der äußeren Welt trennt, sodass man sich voll und ganz dem Moment, dem Bild und der Wahrnehmung hingeben kann. Der Blick unter das Tuch ist der Moment der völligen Konzentration, in dem alle Ablenkungen verschwinden und nur das Bild, die Mattscheibe und die Feinjustierung der Kamera existieren.

Diese Abschirmung von der Außenwelt lässt sich sehr gut mit den Prinzipien des Zen vergleichen, die oft von der Notwendigkeit sprechen, sich von äußeren Störungen zu befreien, um sich ganz auf den inneren Prozess zu konzentrieren. Wenn du unter dem Dunkeltuch stehst, wird der fotografische Akt zu einem sehr persönlichen, fast intimen Prozess. Es gibt keine sofortige Bestätigung durch das Umfeld, keine schnelle visuelle Rückmeldung – es gibt nur den Prozess des genauen Beobachtens und Einstellens, das Testen und Ergründen des Bildes, und der letztgültigen Entscheidung, durch das Auslösen des Bildes aus der Welt.

Das Dunkeltuch bildet eine „unsichtbare Grenze“ zwischen der Umwelt und der Welt des Bildes. Du tauchst in eine Art „Zwischenraum“ ein, der es dir erlaubt, den Moment noch intensiver zu erleben, ohne äußeren Einfluss. Und das ist nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch eine Form des Sich-Versenkens in den kreativen Prozess.

In gewisser Weise könnte man sagen, dass du mit dem Dunkeltuch auch einen Zustand des „inneren Schweigens“ herstellst – kein Reden, keine äußeren Eindrücke, nur der Moment des Fokussierens, des Schauens und des Spürens. Deine ganze Aufmerksamkeit ist auf das Bild gerichtet. Das Dunkeltuch fördert also eine Art fokussierte Stille, die gleichzeitig die achtsame Frage nach dem künstlerischen Bedürfnis verstärkt und die Außenwelt ausblendet.

Fomapan 100@50 in Rodinal, 1+100, 11'30'', 13x18.

Gleiches gilt natürlich auch für die Ausarbeitung des Bildes in der Dunkelkammer, mit ihrem Rotlicht und ihren spezifischen Gerüchen nach Stoppbad und Fixierer. Im Rotlicht ein Blatt barytiertes Papier aus der Schachtel zu nehmen und es mit der rohen Oberfläche aus Silbergelatine nach oben in eine Vergrößerungskassette einzulegen: das ist eine exquisite Erfahrung der vollen Konzentration auf das eigene Tun im gegenwärtigen Moment. Die Sekunden der Belichtung abzuzählen und planvoll abwedelnd oder nachbelichtend in die Vergrößerung einzugreifen, erzeugt das Gefühl von Gegenwart und Selbstwirksamkeit, die durch den Dry-Down der Prints bestätigt wird.

Das Hier-Jetzt-Ich der Aufnahme: es wiederholt sich in der Dunkelkammer. Es wiederholt sich immer wieder, auch später noch: im Heißaufziehen des Silbergelatineprints auf Museumskarton, im Anfertigen eines dedizierten Passepartouts, in der Hängung des Bildes vor Ort, in der Weitergabe des Bildes an andere, in der dadurch erzeugten Gemeinschaft verbundener Menschen.

Wenn du es so betrachtest, ist Großformatfotografie ein Eintauchen in eine andere Welt, in der nur das Bild zählt, und der Fotografieren wird zur inneren Erfahrung.

Großformat-Zen.

Schweiz, Bern, Schwellenmätteli

Nikon CMOS, 24x36.

Frankreich, Normandie, Mont-Saint-Michel

Nikon CMOS, 24x36.

FKK-Idyll

Nikon CMOS, 24x36.

Containerschiff

Nikon CMOS, 24x36.

Irland, Connemara, Wasser

FP4+ in HC110H, 9'00'', N+1, 4x5.

Paeonia

Nikon CMOS, 24x36.

Italien, Livigno

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Irland, Mayo, Hoffnungen

FP4+ in HC110H, 7'00'', N, 4x5.

Irland, Mayo, Picturesques

FP4+ in HC110H, 7'00'', N, 4x5.

Italien, Livigno

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Schweiz, Engadin, Ova da Bernina

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Schweiz, Engadin, Ova da Bernina

Schweiz, Engadin, Piz Campasc

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N, 4x5.

Schweiz, Kiental, Blümlisalp

Fomapan 100 in Rodinal 1+50, N-2, 13x18.

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