Fotografie ist

eine FAQ

Hier sind Bilder →

Wozu diese FAQ?

Ich komme beim Fotografieren ins Gespräch mit anderen Menschen. Das ist schön.

Manchmal bin ich kurz angebunden, weil ich mich konzentriere. Ich habe nicht immer Zeit. Man muss das verstehen. Es ist keine Arroganz. Ich freue mich über das Interesse!

Darum beantworte ich hier häufig gestellte Fragen. Ich gebe den Leuten vor Ort meine Karte. Sie können sich die Zeit vertreiben, während ich einstelle.

Drehen Sie einen Film?

Nein, ich fotografiere. Zwar benutze ich oft ein schweres Stativ und eine große Kamera, aber am Ende entstehen Bilder auf Papier. Das Papier kommt in ein Portfolio oder in einen Bilderrahmen.

Arbeiten Sie digital oder analog?

Ich arbeite analog. Ich benutze mittlerweile ein 10 x 12,5 cm großes Blatt Film, das ich in eine Filmkassette einlege. Die Filmkassette schiebe ich in die Kamera. Dann gebe ich den Film frei und belichte das vom Objektiv projizierte Bild auf den Film.

In der Dunkelkammer entwickele ich den Film. Er zeigt dann ein Negativ in Grautönen. Was hell war, wird dunkel, und was dunkel war, wird hell. Wenn ich das Negativ auf ein Blatt Fotopapier projiziere, erhalte ich ein vergrößertes Positiv, den "Abzug", ebenfalls in Schwarzweiss. Auf dem Positiv ist alles, was hell war, wieder hell, und alles was dunkel war, wieder dunkel.

Welcher Kamerhersteller, welches Modell?

Ich fotografiere mit verschiedenen Großformatkameras von Horseman, Linhof, Sinar. Für Mittelformat nehme ich eine Zenza Bronica. Im Kleinbild und in Digital vertraue ich Nikon.

Warum nur Schwarzweiss?

Soll jemand, der mit Bleistift zeichnet, nicht doch lieber mit bunten Filzstiften malen? - Schwarzweissfotografie beschäftigt sich mit der Welt auf abstraktere Weise als Farbfotografie. Der Schwarzweissfotografie sind Strukturen wichtig, während Farbfotografie Farben zueinander setzt.

Schwarzweissfotografie ist meistens linear-formales Komponieren. Farbfotografie ist meistens flächig-toniges Komponieren. Rhythmus gegen Klang. Rationales Sehen gegen Mitteilung von Erscheinungsweisen. Die Grenzen sind fließend, wie so oft im Leben. Absolut genau lässt sich das gar nicht trennen. Gute Farbfotografien beinhalten oft Strukturen. Gute Schwarzweissfotografien machen auch ihre Tonwerte zum Thema.

Warum analog?

Ich arbeite auch digital, wenn die Bilder einen Zweck haben, der nicht in den Bildern selbst liegt. Wenn die Bilder als Beweise oder als Dokumentationen dienen. Wenn man ein Bildnis braucht, oder Material für eine Publikation.

Ich fotografiere mit der großen Kamera, weil man auf der großen Mattscheibe so gut sehen und so viel erkennen kann. Unter dem Dunkeltuch hat man seine Ruhe; man kann sich konzentrieren. Apparate aus Holz oder Aluminium sind schöne Arbeitsgeräte. Auf dem Stativ kann ich die Kamera abstellen. Und nachdenken, was ich auf welche Weise fotografiere.

Ein Sensorbild ist eine Datei. Man kann sie beliebig kopieren. Man speichert sie. Man sichert sie. Macht man später einen Abzug. Auf guten Druckern ist die Bildqualität immer gleich. Allein: dem Prozess fehlt das Handwerkliche, habe ich den Eindruck. - Das Negativ, das ich entwickele und in der Dunkelkammer vergrößere, erzeugt eine Auflage von drei bis fünf Abzügen. Wiederhole ich das einige Wochen später, werden die neuen Abzüge anders sein als die alten. Denn die Herstellungsbedingungen ändern sich immer. Aber am Ende halte ich Unikate in Händen. Man entscheidet sich: Fabrik oder Manufaktur.

Wieviel Megapixel hat das Bild?

Die einen sagen 150 Megapixel. Andere erreichen 450 Megapixel. Was weiß ich!? Das bedeutet wenig.

Wenn man ein Kleinbildnegativ vergrößert, hört man bei oft bei 24 x 36 cm Blattgröße auf. Dann sieht man das Filmkorn. Man kann noch weiter vergrößern, auf das Doppelte oder Dreifache, aber dann lösen sich die Formen im Korn auf. Manchen Bildern schadet das gar nicht, denkt man an Bilder mit viel Sand oder rauhen Oberflächen, Nebel, oder an Dokumentarfotos. - Wenn man ein Großbildnegativ vergrößert, kommt man mit demselben Korneindruck auf 100 x 125 cm.

Nur wenige FotografInnen vergrößern Fotos auf Wandgröße. Eine gängige Bildgröße sind 20 x 25 cm. Das ist viel weniger als die optimale Vergrößerung des Kleinbildnegativs. Andere Fotografen vergrößern ihre Bilder auf 40 x 50 cm, weil man das noch problemlos in der Schale entwickeln kann. Bilder von Großformatnegativen weisen Schärfe auf, und Tonwertreichtum. Legendär sind Kontaktabzüge von 20 x 25 cm großen Negativen. - Aber wie dem auch sei: ein kleines Bild ist nicht weniger wert. Es macht auch nicht weniger Aufwand, nur weil es vom Format her kleiner ist als ein großer Abzug.

Wozu die vielen Rädchen an der Kamera?

Hier, bei Youtube, gibt es ein aufschlussreiches Filmchen. →

Man muss das Vorderteil mit dem Objektiv und das Rückteil mit der Mattscheibe in einen bestimmten Abstand zueinander bringen, um das vom Objektiv projizierte Bild auf der Mattscheibe scharfzustellen. Man kann die Mattscheibe nach oben, unten oder nach den Seiten schieben, um den Ausschnitt des vom Objektiv geworfenen Projektionskegels zu bestimmen. Man kann das auch mit dem Vorderteil tun, um die Spitze des Projektionskegels neu zu positionieren und damit den Projektionskegel zu dezentrieren. Man kann das Rückteil bei schräg gestellter Kamera senkrecht ausrichten, damit der "korrekte" Seheindruck erhalten bleibt und vertikale Parallelen nicht nach oben oder unten zusammen- oder auseinanderlaufen. Das funktioniert auch in der Horizontalen, so dass man Hausseiten ohne Fluchten fotografieren kann. Man kann das Vorder- wie das Rückteil nach vorne oder nach hinten kippen, und ebenfalls nach den Seiten schwingen, um die Tiefenschärfenebene zu verlagern. So kriegt man trotz großer Blendenöffnung eine Landschaft von vorne bis hinten scharf. - Wenn einem das wichtig ist. - Man kann natürlich auch alles "falsch" einstellen und so neue Bildwirkungen ausprobieren ...

Wozu die technischen Bildunterschriften?

Hier, bei Wikipedia, gibt es einen Hinweis. → Seit 2003 hat dieser Artikel sich prächtig entwickelt.

Es gibt Gleichgesinnte, die sich für Daten bzw. das "Zonensystem" interessieren. Diese Gleichgesinnten sind manchmal scharfe Aufpasser. Wehe, man hat Entwicklungszeiten, die von den Ergebnissen anderer abweichen! Dann wird duelliert, bis der Arzt kommt. - Genau genommen bereitet es mir Freude, Leute mit Vorurteilen und fertigen Meinungen aus der Reserve zu locken. Mit der Dauer wird das aber öde. Darum habe ich die technischen Angaben bereits reduziert.

Wo sehe ich Ihre Bilder?

Hier, auf der Website. →

Vielleicht mache ich mal eine Ausstellung. Da muss man aber jemanden finden, der einen ausstellt. AusstellungsmacherInnen müssen sich auskennen, also wenigstens mal ein paar Ausstellungen gemacht haben. Idealerweise handelt es sich um jemanden mit kunsthistorischer Ausbildung. Ich habe selber eine kunsthistorische Ausbildung. Ich erwarte also, dass sich jemand meine Bilder auch richtig anschaut. Das kostet aber Zeit und Geld, das ich ja selber auch berechne, wenn ich mir was anschaue. - Ausstellungen sind aber oft ziemlich klinisch. Man hängt Bilder in einen weißen Kubus, es gibt ein Vortragsritual, die Leute trinken etwas Wein, und man unterhält sich ein wenig. Dann herrscht drei Wochen völlige Stille, bis alles wieder abgebaut wird.

Ein Dilemma, das sieht man gleich. Vielleicht findet sich ja mal ein wohlwollender Freund, der sich mit meinen Bildern den Ruf und mit einer Ausstellung in einer Beiz meine Bilder versauen möchte ... Unterdessen plane ich ein paar Portfolios, in Form verschiedener Druckerzeugnisse. Mal schauen, was die Zukunft bringen wird.

Ob meine Bilder gut genug wären? Naja, es gibt ja allenorten Ausstellungen mit schlechten Bildern. Warum sollte ich also nicht auch meine zeigen?

Kann man die Bilder kaufen?

Ja. Ein Abzug im Format 20 x 25 cm kostet aktuell 450 CHF. Ein Abzug im Format 40 x 50 cm kostet 900 CHF.

Schicken Sie mir ein JPG?

Nein. Es ist wie bei geschützten Pflanzen: Anschauen erlaubt, Mitnehmen verboten.

Wer ist "Lohenstein"?

"Lohenstein" ist mein Pseudonym. - Nein, nicht wirklich. Der Name trägt dazu bei, Distanz zu merkwürdigen Menschen zu halten.

Daniel Casper von Lohenstein war ein herausragender Dichter des schlesischen Barocks. Er schrieb wichtige Dramen, im 17. Jahrhundert, z.B. "Ibrahim Sultan", → . Mit meinem Pseudonym hoffe ich, von Lohenstein wieder mehr in Erinnerung zu bringen.

Außerdem dient das Pseudonym dazu, den impliziten Fotografen zu betonen, das ist der Fotograf, auf den man aus dem Bild heraus schließen kann. Der implizite Fotograf ist wie der implizite Betrachter Teil der Bildfiktion. Anders als der reale Fotograf, der im echten Leben seine Miete zahlt, oder der echte Betrachter, der im Anschauen von Bildwelten eine Pause von seiner sonstigen Wirklichkeit sucht. Schließen Sie also niemals von meinen Bildern auf meine Psyche, merine Einstellung oder meinen Charakter. Sowas Dämliches würde ich bei Ihnen ja auch nicht tun.

Seit wann fotografieren Sie?

Geht es um das Gelegenheitswann, das Situationswann oder das kalendarische Wann?

Ich musste mitkommen, als meine Eltern sich in den Weihnachtsferien in den Schwarzwald begaben. In irgendsoeiner gottverlassenen Stadt, Triberg-Tauwetter-Trübsal, befand sich ein Fotoladen, der einzige Lichtblick. Vor ihm hielt ich mich eine Woche lang auf. Er bot Spiegelreflexen von Praktika an. Das Spitzelspitzenmodell "MTL5b". Die kaufte ich mir dann zu Hause vom Ersparten. Ich war damals etwa 13, oder 14? Erst drehte mir das örtliche Peka eine Zitrone an, die nach einem Film bereits streikte. Man erbarmte sich meiner und tauschte sie gegen eine Neue. Das war das Gelegenheitswann.

Das kalendarische Wann war etwa so um 1984 oder 1985.

Zum Situationswann: mit der Kamera konnte ich meine Freunde aufnehmen und mir zu Hause anschauen. Ich konnte Fotos verteilen und Beziehungen aufbauen. Eine Identität. Es war normal, dass ich immer eine Kamera dabei hatte. Irgendwann nahm niemand mehr sie wahr. Immer, wenn es mal nicht gut lief, oder im Gegenteil mal schön war im Leben, kamen weitere Fotos an die Zimmerwand, später ins Tagebuch. Wegen der Fülle der Bilder suchte ich günstigere Filme und Vergrößerungsmöglichkeiten. Klar, benutzte ich bald immer öfter Schwarzweissfilm, den ich kostengünstig selbst entwickelte und vergrößerte.

Wie wird man selbst "kreativ"?

Ich habe nicht sehr viel Talent. Ich bin auch nicht außerordentlich kreativ. Meine universitär zertifizierte Berufung liegt eher in der wissenschaftlichen Analyse der Kunstwerke anderer → - Aber manchmal schaffe ich Bilder mit erkennbarer Komposition und unterschiedlichen Tonwerten. Auch gelingt es mir seit einiger Zeit, Schnickschnack aus dem Bild zu nehmen und die Aussage zu verdichten.

Man sollte seinem "Talent" auf die Sprünge helfen. Wer ein Instrument spielt, übt ja auch und sucht sich immer neue Partituren. Manche Stücke spielt man besser, manche schlechter. Ab und zu improvisiert man, mit mehr oder weniger Erfolg. - Man muss das Passende finden. Suchen ist ein aktiver Prozess. Kreativwerden ebenso. Konsumieren oder Aburteilen eher nicht.

Man setzt sich mit einem Thema auseinander, um etwas darüber lernen. Am besten reflektiert man sogar den Lernprozess. Für mich geht das nur, wenn ich mehr Bilder mache, nicht weniger. Ich brauche Bildergebnisse, als Ausgangspunkte zum Weitermachen.

Dass einer mit einer Kamera losgeht und nur ein einziges, allgemeingültiges Bild einer Sache macht: gibt es das wirklich? Für mich ist das oft nur ein Bluff. Manche wollen höhere Preise erzielen und stilisieren sich deswegen zum Zen-Meister. Da gibt es welche, in Youtube-Filmchen, die angeblich nur ein einziges Bild aufnehmen. Ganz konzentriert bei der Sache. Beneidenswert. - Nein. Für diesen Bluff muss man erst mal lernen, welche Geräte man wie bedient. Man hat beim Dreh dann permanent die Videokamera laufen. Wochenlanger Filmschnitt im Studio. Ein strukturiertes Drehbuch, die Suche nach Einstellungen, viele Probeaufnahmen mit mehreren Takes pro Einstellung, das ganze Ton- und Filmmusikmanagement. Manche müssen auch noch Fördergelder beantragen, Bild- und Musikrechte einholen und vergüten, ihr Filmchen anpreisen, viral gehen usw. Da ist nichts mit "Zen".

Ich bluffe nicht. Ich sage frank und frei: im Kopf schaffe ich es nur bedingt, ein Bild vorwegzunehmen. Das schaffen nur sehr wenige. Schon das Denken in Grauwerten ist schwierig, weshalb Fotografen, die in Schwarzweiss arbeiten, manchmal dunkle Rotbraunfilter benutzen, um Tonwerthelligkeiten zu erkennen. Ich brauche Bilder, die Arbeit mit Negativen, um meine Einstellung zum Motiv zu finden.

Es hilft auch, eine Sache zuerst einmal zeichnerisch zu verstehen. Man fertigt eine Bleistiftzeichnung an. Dabei lässt man Unwesentliches weg. Man betont Bildwichtiges. Man verändert die Proportionen, akzentuiert Blickbewegungen. Man wird sich bewusst, was man fotografieren möchte. So entsteht Arbeitsmaterial. Jeder Maler macht Skizzen. Man nähert sich den Motiven an. Mit der Zeit zeigt sich mehr und anderes von einer Sache. Mit Bildmaterial kann man Bildfindungen vergleichen.

Man muss auch in der Landschaft ankommen. Einen Ort finden. Zugelassen werden. Die Tiere, die Pflanzen, der Fluss, die Felsen, die Witterung: sie müssen mir einen Platz unter ihnen einräumen. Der zuständige Wildhüter muss mich akzeptieren. Er teilt mit mir die Freude am Anschauen. Er erzählt mir, welche Vögel wichtig sind, wo sie brüten, auf welche Pflanzen ich achten muss. Gleiches gilt für Wanderer, Anwohner, Leute von dort. Ich rede mit einem Bauern, der Heu macht und mir erlaubt, seine Wiese zu betreten. Man teilt ein gemeinsames Interesse, das aus unterschiedlichen Standpunkten je verschiedene Formung erfährt. Das schlägt sich auch in Bildern nieder.

Ich fahre mit dem Bus, mit dem Auto, gehe viel zu Fuß. Manchmal falle ich direkt aus der Haustür in den Wald oder auf einen der Hausberge von Bern. Großformat ist was zum Schleppen. Man muss das planen, sich im Gelände orientieren, die besten Wege kennen, die Zeiten, und das das ganze Jahr hindurch. Viele Wege erkundet man erst nach und nach. Wo ich vor vier Wochen drei Bäume fotografieren konnte, die wie die Rauchraketen bei Atomtests senkrecht in die Höhe stachen, habe ich neulich nur Gebüsch erkannt - den Weg an diesen Bäumen vorbei konnte ich gar nicht mehr wiederfinden. Darum macht man immer wieder Bilder vom gleichen Objekt im anderen Sujet.

Die Farben und Formen ändern sich, die Räumlichkeit, Körperlichkeit, die individuelle Entfaltung der Gestalt. Das Licht ändert sich, minütlich, und das Gemüse, das eben noch dumpf vor sich her faulte, erstrahlt nun mit glitzernden Tautropfen. Eben hat man noch ein Bild eingestellt ohne Himmel, aber mit Kontraststeigerung, jetzt ein noch spektakuläreres mit Himmel und Konstrastabschwächung.

Die Annäherung an ein Objekt braucht Zeit. Zeit zum Schauen. Das ist eine Freiheit, die manche sich erkämpfen und verteidigen müssen. Man kann mit einem Kartonrahmen diese oder jene Ansicht erfassen - und loslassen. Manche müssen einfach die Kamera auf- und einstellen, alles ausrichten, die Belichtung erwägen und sich immer wieder fragen, was will ich eigentlich, oder was sagt mir das? Ich muss das auch. Manche verwerfen dann die Aufnahme. Ich schiebe am Ende meistens doch noch einen Film ein - die Hinwendung zum Bildgegenstand, die ganze Einstellerei: das war es meistens wert! Genau genommen geht es gerade um den Prozess.

Noch nie hat ein Motiv bei mir beim ersten Mal funktioniert. Bei meinen ersten Aufnahmen des "Höllensturz" fotografierte ich ins Gegenlicht. Das merkte ich in meiner Begeisterung nicht. Also nochmal hin. - Dann stimmte der Maßstab nicht. Ein für 4x5 sehr langes 480er musste her, und also eine Sinar-Kamera, wegen des längeren Auszuges. Also nochmal hin. - Dann wurde mir klar, dass ich das Gegenlichtproblem strukturell nur dann lösen kann, wenn ich nachmittags komme. Dann habe ich die Sonne im Rücken. Also nochmal hin. - Jedes Mal musste ich die Bilder sehen, als Negativ, als Kontaktabzug, oder am Computer, um zu begreifen, was ich ändern muss. Aber mir geht es nicht alleine so. Vielen FotografInnen geht es so. Man muss es akzeptieren. Und überschüssige Gerätschaften später abstoßen oder in neuen Zusammenhängen verwenden.

Mit der Zeit lernt man seine Motive kennen. Ich habe eine Kartei, Pergaminhüllen, einzeln in A5, in der Kartei verzeichne ich auch das Datum der Aufnahme, und so kann ich Negative gruppieren. Ich kann schauen, was fehlt. Entscheiden, wie es weiter gehen könnte, Projektkarteikarten anlegen, auf denen ich die projektbezogenen Negative nach Nummer erfasse usw. Das schafft neue Ideen und einen weiteren Bedarf an Aufnahmen. Das System nährt sich selber.

Wieviele Bilder entstehen pro Tour?

Man lernt seine Motive kennen. Man lernt, was einen erwartet. Was man ausschließen kann. Was man erneut aufsucht. Was sich verändert hat. Komme ich heute in eine bestimmte Landschaft, sehe ich ganz andere Dinge als letzte Woche. Manchmal frage ich mich, was eine bestimmte Sache für mich symbolisiert, und dann gehe ich dem fotografisch nach. Ich mache mir dann Gedanken. Aktuell, Sommer 2021, bin ich auf der Suche nach dem "Chtonischen", dem erdverbundenen Werden und Vergehen. Ob das für mich im Gegensatz zum klaren, hellen Winter einen dunklen, schweren Sommer bezeichnen kann?

Man hat also eine Erwartungshaltung. Die gibt einem die Motive vor. Heute gab es mal wieder den Pestwurz, nun von bösartigen Schnecken zerfressen und in schattigen Schichten korrodiert in schwüler Morgenwärme am Faulen. Das Wort "chtonisch" kriege ich nicht mehr aus dem Kopf. - Und das mit einem großen 240er Symmar-S MC an der Sinar Norma mit Hinterlinsenverschluss. Ein Fest. Klar, mache ich ein Dutzend Aufnahmen. Im "flow".

Ich komme auf ein Dutzend Bilder pro Tour. Das sind 6 doppelseitige Planfilmkassetten. Soviele passen bei mir in die Filmkassettentasche. Eine solche Tasche für HP5+, eine für FP4+. Eine im Rucksack und eine zu Hause für Portraits und Makros. Ich entwickele ein bis zwei Mal pro Woche.

Nach etwa 12 Aufnahmen bzw. 5 Stunden erschöpft sich mein Sehsinn. Das ist schon mit 6x6 so, wenn ich für härtere Bergwanderungen die Zenza Bronica S2a mitnehme. 12 Bilder reichen mir. Pro Bild bzw. Motiv mache ich eine Aufnahme. Eine zweite Aufnahme desselben Motivs muss sich wesentlich anders zeigen, so meine Devise. Ein Baum, den ich erst mit f8, dann aber noch mit f32 fotografiere. Das eine Bild zeigt nur den Baum mit seiner Stammrundung, Landschaft unscharf. Das andere auch den ganzen Kosmos, der ihn umfließt - hoffentlich.

Wieviel kostet das Fotografieren?

Großformat kostet Geld. Wie fast alles im Leben. Ginge es um die Kosten, wäre eine digitale Canon Powershot oder Nikon Coolpix günstiger (und bequemer). Wie teuer ist Großformat im Vergleich zu Kleinbild? Da wären die Materialkosten. Den Entwickler juckt es wenig, ob ein Kleinbildfilm oder ein Planfilm darin badet. Die Filmkosten: Ilford-Film selbst kostet 100 Blatt grob 200 CHF (mal mehr, mal weniger), das sind 2 CHF pro Blatt, bei einem Dutzend Bildern 24 CHF pro Tour. Dafür stimmen alle Aufnahmen. 12 stimmige Aufnahmen auf einem Kleinbildfilm sind schon sehr gut. Aber selbst wenn sie stimmen, wünscht man sich dann doch weniger Korn und mehr Schärfe, also Großbild ...

Für 24 CHF kriege ich drei SW-KB-Filme. Für 24 CHF kriegt man noch nicht einmal ein währschaftes schmalzgesottenes Cordon Bleu mit Kalb- oder Pouletfleisch, echter Panade aus alten Brötchen, gutem Schinken und anständigem Greyerzer. Allenfalls einen Subprime-Burger im Gammeltakeaway. Oder drei, vier größere Stangen Bier am Abend. Drei Päckchen Zigaretten. - Zum Glück rauche ich nicht. Ich denke, die Filmkosten für Grossformat sind im Vergleich zu anderen Formaten vertretbar. Das Vergrößern und Präsentieren kostet bei Kleinbild und Grossformat gleich viel.

Wäre Digital eine Option? Bestimmt. Aber Vergrößern und Präsentieren kosten auch hier etwas. - Natürlich ist eine Speicherkarte günstiger als Planfilm, und kleiner. Dafür ist Planfilm größer, die Kassette liegt richtig massiv in der Hand, das Bild auf seinem physischen Träger ist etwas wert, immerhin ist es aus Silber und geht auch nicht in der Cloud verloren. Es läßt sich noch nicht einmal beliebig reproduzieren. War da nicht was mit Walter Benjamin?

Auch fordert das Digitale mit seinen hochspezialisierten Bildermaschinen nicht immer die Bildfindung. Man fotografiert bereitwilliger, und man sortiert später aus. Im Großformat wird das Fotografieren entschleunigt. Man fotografiert sorgfältiger und sortiert nicht aus. Man versucht eher, bestehende Lücken mit besseren Aufnahmen zu füllen und neue Ideen in weiteren Bildern umzusetzen. Eine (Film-)Entwicklung.

Was aber richtig ins Geld geht, ist, sich überhaupt vom Alltag freizunehmen. Irgendwo hinzufahren. Sich Ausrüstung zu besorgen, z.B. auch richtig gute Schuhe, die man reparieren kann. Diese Kosten hätte man auch, wenn man materialgünstiger fotografiert. Bei Film spart man immer am falschen Ende, meiner Meinung nach. Wenn man ein Motiv verpasst, weil man am Film spart oder schlechten Film verwendet, muss man irgendwann wiederkommen, wenn man ernste Absichten hat: das geht dann erst recht ins Geld, und auf die Nerven.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) →

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